„Moin, Leute, hier gibt es immer eine tolle Geschichte über mich und meinen Kumpels, die bei mir leben. Da sind einmal ICH natürlich, die tolle, hübsche und süße Tavia“, sagte Tavia stolz.
„Ach Du heiliger Schreck! So narzisstisch kann doch kein Hund sein. Igitt“, sagte Frodo angewidert.
„Du bist doch nur eifersüchtig, dass Du nicht so ein tolles Mädchen bist, wie ich“, erwiderte Tavia.
„Gott sei dank. Erstens bin ich sehr froh, dass ich kein Mädchen bin und zweitens wäre ich nie so wie Du, Du Angeberin“, sagte Frodo.
„Pöh“, sagte Tavia, „ich weiß, was ich kann und wer ich bin. Also, wo war ich stehengeblieben?“


Da unterbrach Frodo noch einmal: „Na, wie immer den Faden verloren, Du Dussel.“ Dabei grinste er sie aufmüpfig an.
„Nein, ich weiß immer was ich will… Was wollte ich noch gleich…“ Sie schaute auf den Boden. „Ach ja, uns alle vorstellen. Also, da bin ich, der süße Aurelio, der schon vor mir hier lebte und der immer total lieb zu mir ist, und dann ist da noch der da, der Frodo“, und sie zeigte mit der Pfote auf den Wuschel Frodo, der neben ihr saß, „Frodo ist anstrengend, er weiß immer alles besser und tut immer so als ob er intelligent sei.“
„Ich bin intelligent. Das ist eben Dein Problem, dass Du das nicht einsehen kannst oder eher willst, Du Dickkopf“, erwiderte Frodo.
„Ach was, nur weil Du der Älteste bist, weißt Du doch nicht alles besser. Aber na ja, ich höre eh nicht auf den. Dann gibt es noch unsere 3 Frauchen. Einmal das junge Frauchen, die wir immer nur JF nennen, denn sonst ist das zu lang. Sie ist die Tochter von unserem Frauchen, die wir FF nennen, F für Frauchen und F für Frauchen.“
„Warum nennst Du sie FF? Das macht doch keinen Sinn“, fragte Frodo.
„Doch“, sagte Tavia, „das erste F für Frauchen und das zweite F für liebes Frauchen. Sie gibt uns immer Essen, ich darf manchmal in ihrem Bett schlafen und wir kuscheln jeden Tag gaaaanz viel zusammen“, sagte Tavia und schaute glücklich in den Himmel.
„Im Bett schlafen, dass ich nicht lache. Du mogelst Dich manchmal einfach in ihr Bett und wenn sie es merkt, fliegst Du in hohem Bogen auf Dein Kissen“, sagte er lachend.
„Das stimmt“, sagte Aurelio in diesem Moment. „Wir dürfen doch nur morgens nach dem Aufwachen kurz zu FF ins Bett zum Kuscheln. Das ist immer besonders schön.“
„Du drängelst mich dann ja immer weg. Ich muss ja dann schon nachts ins Bett hüpfen, damit ich überhaupt noch etwas von FF abbekomme“, sagte Tavia.
„Ach herrjee, eine Runde Mitleid mit Tavia“, sagte Frodo gespielt traurig. „Als ob FF Dich nicht dauernd betüddelt. Viel zu viel, wenn Du mich fragst.“
„Ach hör doch auf“, sagte Tavia, „Du stupst sie doch dauernd an und sabbelst sie voll, so dass sie Dich immer streichelt und dann das auf den Rücken legen. Ist doch auch bescheuert.“
„Also, Tavia, wenn ich so nachdenke, dann machst Du das doch auch immer bei FF“, sagte Aurelio nachdenklich.
„Das ist etwas anderes. Ich bin ein Mädchen“, sagte Tavia bestimmt.
„Hör auf, so dummes Zeug zu reden und erzähl weiter“, sagte Frodo gereizt.
„Gut. Also, dann lebt noch AF bei uns. Sie ist die Schwiegermutter von FF und Großmutter von JF. Gott wie kompliziert, aber die Menschen wissen schon, was das bedeutet. Auf jeden Fall ist AF auch super nett und gibt uns manchmal etwas von ihrem Frühstücksbrot ab, nachdem wir sie in die Enge getrieben haben. Hi, hi, hi“, sagte Tavia. „Mehr gibt es hier nicht“.
„Hast Du da nicht zwei vergessen?“, fragte Frodo.
„Kann nicht sein“, erwiderte Tavia und schaute sich gelangweilt eine Spinne an, die gerade auf dem Boden entlanglief.
„Was ist mit den Katzen? Die leben doch auch hier“, sagte Frodo.
„Die müssen wir nicht unbedingt erwähnen“, sagte Tavia und wischte mit der Pfote irgend etwas Unsichtbares weg.
„Doch, Tavia, die leben hier auch und die kleine Candice finde ich ganz süß. Die gefällt mir und auch Teddy ist nicht schlecht. Es hätte uns schlimmer treffen können, wenn ich so die anderen manchmal reden höre“, sagte Aurelio.
„Okay, okay, dann erwähne ich sie noch kurz“, sagte Tavia. „Also, es leben hier noch der Kater Teddy, irgend so ein langhaariger Heini, und die kleine Candice, die jetzt gerade neu mit 8 Wochen zu uns ziehen musste. Ich möchte hier auch klar darstellen, dass der Kater und auch die Katze nicht meine Entscheidungen waren. Das haben ganz alleine die Menschen, vor allen Dingen FF entschieden. In diesem Punkt verstehe ich sie auch nicht ganz, aber sie meint, dass wir nicht nur Hunde, sondern auch Katzen retten müssen. Vor wem retten? Die lebten doch vorher schon irgendwo“, sagte Tavia.
„Aber nicht so gut wie bei uns. Teddy hatte es vorher auch nicht so gut. Ich kann FF schon verstehen. Du weißt doch, dass sie im Tierschutz tätig ist. Da kann sie nun mal nicht anders. Wir alle hatten es vorher nicht so gut. Hier haben wir ein Heim, viel Liebe und tolles Essen. Wir sollten nicht undankbar sein und auch andere an unserem Glück teilhaben lassen“, sagte Frodo mit stolzgefüllter Brust. Dass er solche Sätze mal sagen würde, hätte er vor Jahren nicht gedacht.
„Ach, Frodo, Du nervst zwar häufig, aber manchmal hast Du recht. Aber ein vierter Hund wäre doch in Ordnung gewesen. Warum bloß ein Kater und eine Katze? Aber gut. Der Kater ist soweit ja okay und die Kleine ist wirklich lustig. Scheint zwar etwas BDHS zu haben, aber gut. Niemand ist so vollkommen wie ich“, grinste Tavia.
„Das heißt ADHS und ist eine Störung, so dass ein Mensch sich nicht richtig konzentrieren kann und sehr unruhig ist. Das hat Candice nicht, sondern sie ist noch ein Baby und will immer nur spielen. Das ist alles. Die wird noch ruhiger. Wenn sie erst einmal auch mal im Garten und draußen herumlaufen kann, dann wird alles besser“, holte Frodo aus.
„Wie Du meinst, Du Besserwisser. Also das ist unsere ganze Familie. Drei Menschen, drei Hunde und zwei Katzen. Eine tolle Familie und wir sind meistens echt glücklich miteinander“, sagte Tavia und der Rest der Gang stimmte ein.
„Nun erzählen wir noch eine Geschichte, die wir erlebt haben“, sagte Tavia.
„Es war vor sieben Tagen. Es war ein regnerischer Tag und wir mussten wie immer früh aufstehen. FF machte sich fertig, ging nach unten und ließ Teddy aus dem Haus. Der muss morgens immer auf die Toilette. Das macht er dann irgendwo draußen. Danach wurde Frühstück für JF gemacht. Als sie dann weg war, begann das Unglück“, schloss Tavia den Satz.
„Wann gehen wir endlich raus?“, fragte Aurelio die anderen. „Ich muss mal so dringend. Die Knochen von gestern Abend drücken.“
„Das kann nicht mehr lange dauern. FF hat schon die Leinen hingelegt. JF ist bereits weg und die Näpfe stehen auch schon im Waschbecken“, sagte Frodo.
„Na hoffentlich fummelt die dann nicht noch lange am Handy rum. Ich muss echt dringend“, sagte Aurelio noch einmal und lief unruhig hin und her.
„Nicht wieder knallen lassen“, sagte Tavia. „Wir gehen ja gleich raus. Kann sich jetzt nur noch um Stunden handeln.“ Dabei grinste sie schief.
„Na toll, vielen Dank“, sagte Aurelio und rollte mit den Augen.
Endlich kam FF, leinte die Hunde an und sie gingen gemeinsam ihre Runde. Zurückgekommen gab es erst einmal leckeres Frühstück für alle. Die Hunde und die beiden Katzen aßen gemeinsam in der Küche. Wie immer versuchte Tavia von Candices und Teddys Essen etwas zu stehlen. Aber FF passte immer genau auf. Nach dem Essen ging es in das Wohnzimmer. Tavia legte sich auf die Couch und beobachtete Candice, wie sie mit einem kleinen Ball spielte.
„Die nervt, die Kleine“, sagte sie zu Aurelio, der sich neben ihr genüsslich auf der Couch streckte und laut gähnte.
„Lass sie doch spielen. Die ist doch noch ein Baby“, erwiderte er müde.
„Na und? Deswegen nervt die trotzdem. Dauernd das Herumgehopse. Echt anstrengend“, sagte sie und Tavias Pupillen wurden immer größer. „Ich glaube, ich muss ihr mal wieder sagen, wer hier die Chefin ist“, sagte sie und setzte zu einem Sprung an.
Aurelio sagte nichts dazu. Er kannte Tavia gut genug. Wenn die mal wieder zicken will, dann ließ er sie lieber machen. Die hatte einen enormen Dickkopf. Tavia sprang auf Candice zu und schubste sie mit ihrem Kopf durch den halben Raum. Candice kam wieder auf die Beine und fauchte sie an. Dabei machte sie einen gewaltigen Buckel. Na ja, sie versuchte es zumindest. Dann lief sie aus dem Wohnzimmer und verkroch sich im Abstellraum. Tavia ging zufrieden wieder zur Couch, sprang hinauf und legte sich entspannt neben Aurelio.
„Na, bist Du jetzt zufrieden?“, fragte Aurelio.
„Aber sicher doch“, erwiderte Tavia. „Jetzt ist es viel angenehmer. So eine kleine Kröte brauchen wir hier bestimmt nicht.“
„Tavia, Du bist echt gemein“, sagte nun Frodo und ging langsam auf die Couch zu. „Sie ist doch noch so klein. Kannst Du sie nicht mal in Ruhe lassen?“
„Nein, kann ich nicht“, sagte Tavia aufmüpfig. „Warum auch? Dies ist mein Haus und ich brauch‘ die kleine Nervensäge nicht.“
Frodo lachte laut auf.
„Dein Haus? Dass ich nicht lache. Du leidest an Selbstüberschätzung. Das ist das Haus unserer Frauchen. Sei froh, dass Du hier gelandet bist. Besser hättest Du es bestimmt nicht treffen können. Außerdem warst Du auch mal jung.“
„Ich musste schon früh selbständig werden und mich unterordnen. Je früher die Kleine das lernt desto besser“, ereiferte sich Tavia.
„Selbständig werden?“, fragte Aurelio. „Ich denke, Du kommst von einem Ziegenhof und wenn die Tierschützerin Dich und Deine drei Brüder nicht gerettet hätte, wäret Ihr getötet worden. Wo musstest Du denn selbständig werden?“
„Genau das ist es ja. Wir mussten ständig selbst dafür sorgen, dass wir genug zu essen bekamen. Keine Milch mehr von Mama zu erhalten ist echt ätzend gewesen“, sagte Tavia.
„Jetzt spinnst Du aber total“, sagte Frodo. „Das ist ja lächerlich. Du wurdest überall beschützt. Wenn ich Dir mal aus meinem Leben erzählen darf….“
Frodo holte tief Luft und wollte gerade erzählen, da riefen Tavia und Aurelio gleichzeitig: „Nicht wieder die alten Kamellen.“
Frodo grunzte und ging beleidigt weg. Tavia und Aurelio grinsten nur.
FF kam wieder ins Zimmer und setzte sich an ihren Arbeitstisch. Candice blieb verschwunden. Mittags zur Essenszeit rief FF Candice, aber niemand erschien. Wie ungewöhnlich. Zum Essen kam sie doch immer als erstes. FF stellte das Essen auf Candices Platz, so dass nur sie es essen konnte. Hoch genug für die Hunde und Teddy war wieder einmal draußen und ärgerte die Nachbarskatze. Als FF nach einer Stunde nachsah, war Candices Futter aufgegessen. Allerdings blieb sie weiterhin verschwunden. Abends nach dem Abendspaziergang mit den Hunden rief FF wieder nach Candice, aber auch dieses Mal blieb sie verschwunden.
„Komisch“, sagte Aurelio, „Candice ist ja schon wieder nicht beim Essen dabei. Wo mag sie geblieben sein?“
„Ach was“, sagte Tavia, „die spielt doch nur ein Spielchen mit uns. Die versteckt sich nur und möchte gesucht werden. Mich interessiert das nicht.“
„FF scheint besorgt zu sein“, sagte Frodo. „Auch ich mache mir langsam Sorgen. Ich habe sie seit heute Morgen nicht gesehen, aber das Essen heute Mittag hat sie gegessen.“
„Oder auch nicht“, sagte da Tavia. „Also der Napf stand jetzt nicht wirklich sehr weit oben und mit einem Stuhl kommt man da schon ran“, sagte sie kleinlaut.
„Du hast Candices Essen gegessen?“, sagte Frodo verärgert. „FF wird stinksauer, wenn Du das tust. Die Kleine braucht doch ihr Essen. Du nicht.“ Dabei schüttelte er den Kopf.
„Ach was, die ist doch schon ganz schön gewachsen. Außerdem bekommt sie viermal Essen pro Tag und wir nur zweimal“, sagte sie beschwichtigend. „Dreimal würde doch auch reichen…“
„Aber das würde ja bedeuten, dass Candice seit heute Morgen verschwunden ist“, sagte da Aurelio nachdenklich, „und zwei Mahlzeiten verpasst hat. Das ist nicht ihre Art. Was könnte da passiert sein?“
„FF hatte heute Mittag die Terrassentür eine zeitlang offen. Vielleicht ist sie dabei rausgelaufen?“, sagte Frodo.
„Das hätten wir doch gemerkt“, sagte Tavia und machte eine wegwerfende Bewegung mit ihrer rechten Vorderpfote.
„Wie hättest Du das denn bemerken sollen? Du hast doch geschlafen“, sagte Frodo.
„Ich schlafe immer nur mit einer Gehirnhälfte, so wie die Delphine“, sagte Tavia stolz. „Das hat FF immer zu mir gesagt.“
„Damit meinte sie nur, dass Du einen leichten Schlaf hast. Du bist doch kein Delphin, der darauf achten muss, dass er immer wieder an die Wasseroberfläche schwimmt und Luft holt. Der hat doch Lungen und keine Kiemen“, sagte Frodo erklärend.
„Ist mir doch egal, was die Delphine machen müssen. Ich bin jedenfalls etwas Besonderes“, sagte Tavia selbstbewusst.
„Darum geht es doch jetzt nicht“, versuchte Aurelio beschwichtigend zu bemerken. „Fakt ist doch, dass Candice verschwunden ist und wenn sie draußen alleine herumläuft, schwebt sie in Lebensgefahr. Sie ist doch erst neun Wochen alt. Die kennt doch noch nichts, keine Autos, Fahrradfahrer und so.“
„Du hast recht, Aurelio“, sagte Frodo. „Wir sollten einen Suchtrupp bilden und sie suchen.“
Damit ging Frodo in den Abstellraum und holte schon mal eine Leine.
„Ich glaube ja nur, dass die Spielchen treibt“, sagte Tavia.
„Aber wenn nicht“, sagte Aurelio, „schau Dir FF an. Die sieht total besorgt aus. Wir sollten einmal das Haus komplett durchsuchen. Vielleicht hat Tavia recht und sie hat sich hier nur versteckt. Vielleicht ist sie auch irgendwo eingeklemmt und kann sich nicht alleine befreien.“
„Dann hätte sie doch gejammert. Die hat das lauteste Organ von uns allen“, sagte Tavia mit gerunzelter Stirn.
„Also die lauteste Tante bist ja wohl Du, Tavia“, sagte Frodo.
„Hört auf zu streiten und fangt an zu suchen“, sagte Aurelio und alle drei sowie FF durchsuchten das Haus.
Nach einer Stunde intensiver Suche war keine Candice zu finden.
„Die ist weggelaufen“, sagte Aurelio. „Wahrscheinlich weil Du sie immer geärgert hast.“
„Genau“, sagte jetzt auch Frodo, „so eine kleine Maus ärgert man nicht so doll. Da ist man lieb“.
„Ich bin immer lieb, nur wenn die immer nervt, dann muss ich doch mal durchgreifen“, sagte Tavia nun etwas vorsichtiger.
„Tavia, das geht gar nicht, so kannst Du nicht mit ihr umgehen und nun ist sie nur wegen Dir weggelaufen. Hast Du toll hinbekommen“, sagte Frodo erbost.
„Das war doch gar nicht so gemeint. Beim letzten Mal ist sie auch nicht weggelaufen“, sagte Tavia kleinlaut.
„Einmal ist immer zu viel, Tavia“, sagte Aurelio. „Da hast Du jetzt echt Mist gebaut.“
Tavia ging daraufhin nach oben ins Schlafzimmer und grübelte. Wo konnte die kleine Nervensäge hingelaufen sein? Die Stimmung im Haus war sehr bedrückt. Alle drei Frauchen riefen und suchten nach ihr. Selbst Teddy half beim Suchen.
Mist, dachte sich Tavia, was habe ich nur angerichtet.
Aurelio und Frodo kamen hektisch ins Schlafzimmer gelaufen.
„Ich weiß, was sie gemacht hat“, sagte Aurelio. „Wir haben doch vor ein paar Tagen den Film „Pets“ gesehen und Candice ist jetzt auch weggelaufen und wartet wohl darauf, dass wir sie suchen gehen.“
„Hä?“, sagte Tavia. „Pets??? War das der coole Science Fiction Film?“
„Nein, das war der Zeichentrickfilm mit den Hunden und Katzen und so. Den fand ich ganz niedlich“, sagte Aurelio und seine Augen strahlten.
„Du Weichei“, sagte Frodo. „Er war kitschig. So etwas gibt es doch gar nicht. Aber was Aurelio sagt, da könnte schon was Wahres dran sein.“
„Genau“, sagte Aurelio, „sag ich doch. Aber wo sollen wir jetzt draußen suchen gehen? Alle Türen sind geschlossen. Wir müssen uns nachts, wenn die drei F’s schlafen, hinaus schleichen und sie suchen gehen. Wir sollten die anderen informieren, damit sie helfen können.“
„Nachts möchte ich schlafen“, sagte Tavia. „Ich kann mich sonst am Tag nicht konzentrieren.“
„Du hältst mal den Ball ganz flach“, sagte Frodo entrüstet. „Nur wegen Dir ist sie weggelaufen. Also hör auf zu maulen und denk mal nach, wie wir die Türen aufbekommen.“
„Nein, sie ist nicht wegen mir weggelaufen, sondern wegen des Fernsehens. Hätte sie den Film nicht gesehen, wäre sie noch hier.“
„Das ist doch Quatsch, Tavia“, sagte Aurelio jetzt Frodo zustimmend. „Wenn Du sie nicht immer ärgern würdest, wäre sie noch hier. Also hör auf, Ausreden zu erfinden. Wir suchen sie später gemeinsam und dann werden wir sie schon finden.“
Dabei schaute er Tavia und Frodo fragend an. Beide sagten einstimmig ja und gemeinsam gingen sie zu Teddy, den sie in ihren Plan einweihten und der die anderen alarmieren sollte.
Spät in der Nacht schlichen sich die drei und Teddy leise nach unten und quetschten sich einer nach dem anderen durch die Katzenklappe. Frodo blieb stecken.
„Scheiße, Leute, ich bin steckengeblieben. Zieht mal“, rief er den anderen zu.
„Pst, nicht so laut. Die F’s sollen doch nicht aufwachen“, sagte Aurelio.
Tavia und Aurelio nahmen je eine Vorderpfote und zogen, aber Frodo bewegte sich keinen Millimeter vorwärts.
„Nee“, sagte Aurelio, „Du bist einfach zu dick…“
„Ich bin nicht dick, sondern ich habe viele Muskeln“, sagte Frodo schnaufend. „Was glaubst Du, wofür ich die alle schon gebraucht habe…“
„Schon gut, schon gut, Alter, lass die Geschichten stecken“, sagte Tavia schnell. „Dann bleib hier und Du heulst wie ein Wolf, falls Candice zurückkommen sollte.“
„Okay, aber beeilt Euch, es ist sehr unangenehm.“
„Ja, machen wir“, sagte Tavia und damit verschwanden die drei in der Dunkelheit.
Frodo fror. Es war kalt und unheimlich. Hoffentlich kamen sie bald zurück. Blöde Katzenklappe…
Die drei rannten zu ihren Freunden. Gemeinsam suchten sie die halbe Nacht, aber nirgends war Candice zu entdecken. Als es zu dämmern begann, hörten sie auf. Sie mussten schnell wieder nach Hause, bevor sie vermisst wurden. Koira kam noch mit ihnen mit, um Frodo zu befreien. Der war total durchgefroren und sie hörten ihn schon von weitem mit den Zähnen klappern.
„Da seid Ihr ja endlich“, klapperte er die Worte heraus. „Und? Habt Ihr sie gefunden?“
„Nein, leider nicht. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden.“
„Mist, dann holt mich hier schnell heraus. Die wachen gleich auf.“
„Koira, am besten drückst Du gegen ihn, damit er wieder zurückfällt“, sagte Aurelio.
Koira drückte und drückte, aber Frodo bewegte sich keinen Millimeter.
„So schaffe ich es nicht“, sagte Koira. „Ich könnte höchstens Anlauf nehmen und gegen ihn laufen, wie ein Stier. Ist bestimmt cool.“
„Bist Du verrückt?“, sagte Frodo erschreckt. „Du brichst mir dabei noch die Nase. Nein, Ihr müsst gemeinsam drücken. Dann klappt es schon. Los, macht schon. Beeilt Euch.“
Die drei drückten und drückten und langsam bewegte sich Frodo endlich. Mit einem Klatschen purzelte er auf den Wohnzimmerboden. Tavia und Aurelio huschten hinterher und Teddy kam gemütlich als letzter ins Haus. Koira war schon weg und lief schnell nach Hause. Jeanny wartete schon auf sie und hielt ihr die Tür auf.
„Danke Teddy“, sagte Frodo, „dass Du mir auch geholfen hast.“
Dabei schaute er ihn knurrend an.
„Ich bin ein zarter Kater und kann nicht Hunde durch die Katzenklappe drücken. Das musst Du schon verstehen“, sagte er affektiert.
„Blöder Kater“, antwortete Frodo leise, als er nach oben ging.
„Was sagtest Du gerade?“, fragte Teddy. „Ich habe Dich nicht ganz verstanden.“
„Das ist auch gut so“, antwortete er und grummelte noch etwas vor sich hin.
Sie legten sich alle ins Schlafzimmer auf ihre Deckchen und dachten an Candice. Dann übermannte sie die Müdigkeit und ihnen fielen die Augen zu. In diesem Moment klingelte der Wecker und die Nacht war vorbei. JF musste in die Schule. Alles lief wie immer ab und als JF auf dem Weg zur Schule war, gingen die Hunde mit FF spazieren.
Zuhause angekommen hörten sie ein leises Miauen. Alle spitzten die Ohren. War das nicht Candice? FF, die drei und Teddy liefen in den Abstellraum. Da stand Candice. Die süße kleine Candice. Fünf Augenpaare leuchteten. FF nahm sie in den Arm und knuddelte sie ganz doll. Sie war so glücklich. Das sahen alle. Aber auch Tavia, Aurelio, Frodo und Teddy tanzten um Candice herum. Als sie alleine waren, fragten sie sie, wo sie gewesen war und dann erzählte sie alles.
„Ich bin gestern morgen noch müde gewesen und habe mich hier an das Heizungsrohr, das unter dem Schrank liegt, gelegt. Das war so kuschelig und warm und ich habe die ganze Zeit geschlafen. Wie spät ist es denn?“, fragte sie neugierig. „Warum schaut Ihr mich so an? Ist irgendetwas?“
Frodo musste laut lachen und auch Aurelio stimmte ein.
„Du warst gar nicht weg? Bist also nicht weggelaufen?“, fragte er mit gerunzelter Stirn.
„Weggelaufen? Nein, wieso sollte ich? Es ist doch total spannend hier“, sagte Candice und rollte auf dem Boden entlang.
„Na toll, wegen Dir haben wir uns die ganze Nacht um die Ohren geschlagen“, sagte Tavia.
„Was meinst Du damit: Um die Ohren geschlagen? Hast Du Dich selbst geschlagen?“, fragte Candice neugierig.
„Nein, Candice“, erklärte Aurelio, „wir haben Dich alle die ganze Nacht gesucht und nicht gefunden und dachten, Du wärst weggelaufen, weil Tavia Dich immer ärgert.“
„Ach so“, sagte Candice, „Ihr habt mich alle gesucht? Das ist ja cool…“
Sie strahlte über beide Ohren.
„Na ja“, sagte Tavia, „jetzt ist die Nervensäge ja wieder da.“
„Gott sei dank“, sagte Frodo. „Candice, wenn Du möchtest, darfst Du auch mit mir kuscheln.“
„Au ja, super. Ich komme sofort, muss nur schnell was essen. Ich habe einen Bärenhunger.“
Damit ging sie in die Küche und man hörte es nur schmatzen.
„Sag mal, Aurelio“, wandte sich jetzt Teddy an Aurelio, „warum konntet Ihr eigentlich durch die Katzenklappe gehen und Candice nicht?“
Aurelio zwinkerte ihm zu.
„Ich weiß, wo die Fernbedienung zur Programmierung der Chipnummern liegt“, damit ging er lächelnd ins Wohnzimmer.
Der ist intelligenter, als er aussieht. Muss ich mir warmhalten, dachte sich Teddy und trottete hinterher.

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